Geschichte

Zur Geschichte: Bischof Johannes Baptista Sproll

Bischof Sproll wurde am 2. Oktober 1860 in Schweinhausen, einem kleinen Dorf bei Biberach, geboren. Sein Vater war Straßenwart.

Er studierte in Tübingen Theologie und wurde vom Direktor des Wilhelmstifts so charakterisiert: Eine klare, offene, heitere Natur, voll Humor mit lebendigem Sinn für das Rechte und einem braven Gemüt. Nach seiner Priesterweihe am 16. Juli 1895 war Sproll einige Jahre in der Studentenausbildung in Tübingen und Rottenburg tätig, dann Pfarrer in dem kleinen Dorf Kirchen bei Ehingen/Donau.

Bischof Keppler rief ihn ins Domkapitel nach Rottenburg, und Papst Pius XI. ernannte den 57jährigen Johannes Baptista Sproll zum siebenten Bischof von Rottenburg. Bischof Sproll leitete die Diözese 22 Jahre lang bis zu seinem Tod am 4. März 1949. Bischof Sproll ist über Württemberg hinaus bekannt geworden durch seinen Konflikt mit dem Nationalsozialismus. In seinen Predigten setzte er sich mit dem Blut und Boden-Mythos von Alfred Rosenberg auseinander. Er sagte am 22. Mai 1936 in Weingarten: Man macht aus dem Dienst am Blute geradezu eine neue Religion, die Religion des Blutes.

Diese von Rosenberg in seinem Mythos vertretene Religion des Blutes und der Rasse bedeutet die Todfeindschaft gegen das Christentum und die Kirche. Zur eigentlichen Konfrontation kam es durch die Reichstagswahl am 10. April 1938. Bischof Sproll blieb der Wahl fern, weil er zwar dem Anschluß Österreichs an das Reich, aber nicht der Zusammensetzung des Reichstages zustimmen konnte. Damit riskierte er eine Kraftprobe mit dem Regime.

Die Partei inszenierte ein großes Kesseltreiben gegen den Nicht-Wähler Sproll mit Demonstrationen, Protestkundgebungen und der Erstürmung des Bischofshauses. Am 24. August 1938 wieß das Kirchenministerium in Berlin den Rottenburger Bischof Sproll aus seiner Diözese aus. Er fand eine Bleibe und eine nicht selbstverständliche Gastfreundschaft bei den Benediktinern in St. Ottilien und bei katholischen Ordensfrauen in Krumbad bei Memmingen.

Erst am Ende des Krieges, nach sieben Jahren Verbannung, konnte der todkranke Bischof am 12. Juni 1945 nach Rottenburg zurückkehren. Der Bekenner-Bischof Johannes Baptista Sproll ist in der Diözese Rottenburg-Stuttgart unvergeßlich geblieben. Von ihm gilt, was 1938 der Chef des Sicherheitshauptamtes Heydrich an die Reichskanzlei berichtete: Sein Beispiel ist ein Fanal.